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Vergangenheit trifft Zukunft und Abstellgleis: Zenwalk auf einem P133

Mein alter Kasten mit Pentium 133 drin hat ein bisschen gemeckert, weil da ein völlig verfriemeltes und altes Debian drauf war. Die Idee war also, ein minimales Debian 5.0 draufzutun und - weil man ja aktuell bleiben will und sich an Rolling Releases gewöhnt hat - dann dort testing zu fahren. Problematik an der ganzen Sache ohnehin: Eine halbwegs gescheite Distri finden, die da überhaupt noch läuft.

Schnell war dann nämlich klar: Debian 5.0 erträgt man nur mit viel gutem Willen. Der Installer hat sich gefühlte TAUSEND Zeit gelassen, aber schlussendlich war es dann doch drauf. Leider nicht lange, denn nach dem ersten Reboot war das Dateisystem kaputt - die Inodes verschiedenster Dateien wollten dieselben Blöcke haben. Schönen Dank auch. :)

Die eine oder andere Chance bekam er noch von mir, dann wurde es mir aber zu "langwierig", dpkg ist auf der Kiste viel langsamer als ich es in Erinnerung hatte. Jetzt war das bestehende System sowieso weg, also konnte ich auch mal was ganz anderes ausprobieren. In der Hoffnung, dass es doch nicht an der Platte liegt, hab' ich mir nach einiger Sucherei dann mal Zenwalk anschauen wollen - es sollte ja auch eine einfache Distribution sein, die weder DEB noch RPM verwendet und Rolling Releases bietet. Jau, das schränkt die Auswahl dann schon etwas ein.

Zenwalk war mir eigentlich auf den ersten Blick sympathisch. Dankbarerweise stellte sich dann aber auch hier heraus, dass das Dateisystem ziemlich schnell kaputt ging, also musste wohl doch eine andere Platte her... Nachdem die dann drin war, lief es endlich. Ein bisschen mit der Paketverwaltung gespielt und gemerkt: Irgendwie fehlt da was. Zum Beispiel kann man scheinbar nicht direkt nach Paketen suchen, sondern es wird einem empfohlen, die Liste aller verfügbaren Pakete durch grep zu jagen. Okay, prinzipiell reicht das ja. Ist nur unendlich langsam auf der Kiste. Das ist aber wohl nicht nur bei mir so, weshalb der normale Installationsmechanismus etwas wie "netpkg python" ist, was einem dann nacheinander (!) alle Pakete zur Installation anbietet, die "python" im Namen tragen. Hum, auf Dauer stelle ich mir das ein bisschen zäh vor. Vielleicht hab' ich mich auch in der Manpage verlesen...

Noch war Zenwalk jedenfalls auf "feste Releasezyklen" gestellt, was nunmal der Normalfall ist, solange man sich nicht für ein "Snapshot"-Repository entscheidet. Getreu dem Wiki habe ich das dann aber mal gemacht, woraufhin zwei große Ernüchterungen folgten:

Vielleicht war es fehlerhafte Bedienung, aber irgendwie erwarte ich schon, dass es funktionierende Abhängigkeiten und auch ein funktionierendes "Replace"-System gibt. Sprich, wenn ein Paket B das alte Paket A ersetzt, dann soll das auch ohne manuelles Deinstallieren so realisiert werden. Das scheint aber so nicht ganz zu klappen, wie auch den Hinweisen im Wiki zu entnehmen ist. Ohne mir das Paketformat genau angesehen zu haben: Ein Feld "... replaces ..." gibt es wohl nicht. Ich muss also selbst nachschauen, was wodurch ggf. ersetzt wird, und dann das alte rausschmeißen. Viel Arbeit und Konflikte sind vorprogrammiert.

Desweiteren ist "Snapshot" mit Zenwalk auf so alten Kisten wohl ohnehin nicht sinnvoll möglich. Im Gegensatz zum festen "Current"-Repository sind bei "Snapshot" viele Pakete, die X betreffen, nur für i686 verfügbar. In der Tat findet man da ein wunderschönes Gemisch vor. Auf aktuellen Rechnern ist das völlig belanglos, aber eben nicht auf 'nem P133... Kann natürlich auch sein, dass die gerade dabei sind, den Support für i586 und älter zu droppen, ich weiß es nicht.

Insgesamt macht das dort bei Zenwalk alles einen sehr wackeligen Eindruck. Man merkt einfach, dass es nicht primär als Rolling Release-Distribution gedacht ist - das ist wohl nur so ein Spaß-Feature für Interessierte. :mhf: Aber selbst im "Normalmodus" wäre mir das zu hakelig. Man installiert zwar nicht jeden Tag neue Software, aber wenn, dann bitte "richtig". Natürlich Ansichtssache, was "richtig" ist, und ich befürchte, ich bin da durch pacman von Arch ziemlich vorbelastet. :D Gäbe es nicht das i686-Problem, hätte ich sowieso erstmal keine andere Distri ausprobiert, da Arch wirklich extrem gut zu meinen Anforderungen passt (oder ich meine Anforderungen entsprechend formuliere - aber so gefällt's mir mittlerweile einfach).

Tja, jetzt steht die Kiste erstmal rum. ;) So langsam befürchte ich, dass man dort nur noch Exoten wie Puppy oder Tiny Core Linux laufen lassen kann. Da braucht man an Rolling Releases aber gar nicht erst denken - oder man nimmt pacman und makepkg mit. Ob sich die Arbeit für das bisschen Nostalgie dann aber lohnt? Apropos Nostalgie: So ein Tag vor dieser alten Kiste tut unglaublich gut. Irgendwann gewöhnt man sich nämlich wieder daran. Und wenn man dann zurück an den "normalen" Rechner kommt, fühlt man sich erstmal wie weggeblasen. :eek: :) Vorallem die kleinen Dinge des Lebens: Dass ein farbiges Dirlisting, was über mehrere Bildschirmseiten geht, instantan zu sehen ist, nimmt man halt normalerweise als gegeben hin.

Eigentlich ist das aber schon recht schade und es zeigt deutlich, wie dramatisch schnell sich das alles entwickelt. Diese Kiste war mal (imo vor noch nicht so langer Zeit) Highend und die 64MB RAM der absolute Luxus. Gekauft wurde er ja mit 32MB und selbst das war schon gewaltig. Heute steckt selbst in meinem Laptop, der jetzt auch schon wieder 3 Jahre alt ist, so viel mehr Leistung drin als in dem alten Pentium da... Aber es täuscht auch ein bisschen: Nur, weil man an der Shell ist und nur Text sieht, müssen die dahinterstehenden Programme nicht gleich trivial und rasend schnell sein. Das ist irgendwie so ein Trugschluss, den ich aus der Windows-Zeit noch gerettet habe. :D

Nungut, das war wohl nix. Mal sehen, was ich mit dem Ding noch mache.