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Mobiler Emitter

Lange Zeit hatte ich keinen portablen Audioplayer. Einfach, weil ich keinen brauchte. Das hat sich jetzt ein bisschen geändert.

Was muss ein Audioplayer zum Mitnehmen bei mir können:

Die Punkte 1 und 3 dürften die Auswahl schonmal stark einschränken. Letztlich habe ich aber von Sebi einen guten Tipp bekommen: Den Sansa Clip+. Im Prinzip erfüllt der alle Punkte bis auf den letzten: Der Akku ist fest eingebaut. Das ist insofern ein Problem, als dass man dadurch weiß, dass man den Player in ein paar Jahren garantiert wegwerfen kann. Sprich, meine Schmerzgrenze, was den Preis betrifft, sinkt dadurch definitiv: Wenn das Ding vielleicht nur 2-3 Jahre hält oder dann nur noch 2 Stunden läuft, sind 50-60 Euro das Limit. Das ist zum Glück gerade noch so drin, denn die Version mit 8GB kostet um die 55 Euro.

Foto

Also, mal sehen. Gestern kam er an.

Zum Öffnen der Verpackung brauchte ich eine halbe Stunde und habe es am Ende mit einer Heckenschere versucht. Gut, ist übertrieben. Aber es war schon sehr aufwändig und auch ein Seitenschneider half nicht so recht. Auf einem Foto würde man es nicht erkennen -- das ist eine Plastikverpackung und da sind zwei Lagen Plastik aneinandergeschweißt oder -gepresst. Eine halbe Diebstahlsicherung.

Naja, irgendwann kriegt man alles auf. Mal anstecken!

$ lsusb
Bus 001 Device 011: ID 0781:74d1 SanDisk Corp. Sansa Clip+ (msc)

Diese Device-ID finde ich nicht in den Linux-Sourcen und auch die Vendor-ID fördert nichts Gravierendes zutage, was mir sagt, dass es keine hässlichen Workarounds für den Player gibt. Er wird beim Anstecken als USB-Storage erkannt und gut ist.

Dec 16 17:55:39 pinguin kernel: usb 1-7: new high speed USB device using ehci_hcd and address 10
Dec 16 17:55:41 pinguin kernel: usb 1-7: new high speed USB device using ehci_hcd and address 11
Dec 16 17:55:41 pinguin kernel: scsi8 : usb-storage 1-7:1.0
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: scsi 8:0:0:0: Direct-Access     SanDisk  Sansa Clip+ 8GB  v01. PQ: 0 ANSI: 0
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: sd 8:0:0:0: Attached scsi generic sg2 type 0
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: scsi 8:0:0:1: Direct-Access     SanDisk  Sansa Clip+ 8GB  v01. PQ: 0 ANSI: 0
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: sd 8:0:0:1: Attached scsi generic sg3 type 0
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: sd 8:0:0:0: [sdb] 15462400 512-byte logical blocks: (7.91 GB/7.37 GiB)
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: sd 8:0:0:0: [sdb] Write Protect is off
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: sd 8:0:0:1: [sdc] Attached SCSI removable disk
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: sdb:
Dec 16 17:55:42 pinguin kernel: sd 8:0:0:0: [sdb] Attached SCSI removable disk

Unter /dev/sdb finde ich dann den Inhalt als vfat mountbar. Dessen sollte man sich bewusst sein, da die Dateinamen nicht "beliebige" Zeichen enthalten dürfen wie bei ext* üblich. Ich habe zum Beispiel einige Musikstücke, die ein Fragezeichen oder Doppelpunkt im Namen hatten, hier und da auch doppelte Anführungszeichen -- da bin ich erstmal auf die Nase gefallen. Nebenbei: Es gibt keine autorun.inf auf diesem Device. Da selbst ein kürzlich gekaufter, stinknormaler USB-Stick sowas hatte, halte ich das für erwähnenswert.

Wenn man genau hinsieht, dann taucht da auch noch /dev/sdc auf. Wofür das gut ist, weiß ich nicht genau. Wenn man das mal naiv mounten will, kommt:

mount: no medium found on /dev/sdc

Ich nehme daher an, dass das der Slot für die zusätzliche Speicherkarte ist. Mangels einer solchen kann ich es aber nicht ausprobieren.

– Nachtrag: Jau, so ist es. Man kann also beide Medien (interner und externer Speicher) über den Player mounten. Das ist schön, spart es mir doch den Kauf eines separaten Lesegerätes für microSD-Karten.

Der Player unterstützt auch noch MTP (muss man am Player umstellen), was ich aber nicht nutze. Dann sind aber keinerlei Blockdevices zu sehen.

Meine Anforderung an 8GB Platz kommen nicht von ungefähr:

$ du -sch ~/music
6.7G    total

Ein Album ist bei mir so 40-60MB groß, also wäre da noch etwas Luft nach oben. So häufig kaufe ich nämlich keine CD's, also reicht das vorläufig. Eine zusätzliche Speicherkarte gibt es ja auch noch und die kann bis zu 16GB groß sein (microSD(HC) frisst der Player -- die 16GB stehen so im Handbuch, andere Quellen sprechen von 32GB; auf jeden Fall genug). Die bestehende Sammlung habe ich sodann mit rsync auf den Player geschmissen:

$ rsync --modify-window=1 -rtv --delete ~/music /media/d_sdb/MUSIC/

Hat ziemlich lange gedauert, zumal ich ein paar Mal wegen unerlaubter Zeichen in Dateinamen angeeckt bin. Alle folgenden Syncs sind aber flott ("speedup is 82038.85" ;)).

Wohl aufgrund des anderen Dateisystems sieht das dann so aus:

$ df -h
Filesystem            Size  Used Avail Use% Mounted on
/dev/sdb              7.4G  6.9G  537M  93% /media/d_sdb

Okay, fast voll. Wie erwartet.

Play.

Tja, er spielt es ab. :) Die Tasten sind griffig mit einem klaren Druckpunkt und das Display gut zu lesen. Klang ist auch gut, mir fallen keine störenden Nebengeräusche auf. Ironischerweise sind die beim Player mitgelieferten Ohrstöpsel besser als die zusätzlichen Dinger, die ich außerdem noch gekauft hatte. Ich finde allerdings, dass der Player vergleichsweise leise ist. Auf der anderen Seite habe ich nie verfolgt, was aus dieser ominösen Regulierung der Lautstärke von Audioplayern geworden ist...

– Nachtrag: Unfassbar. Laut diesem Thread im Herstellerforum ist die Lautstärke tatsächlich limitiert. Und zwar nur in der EU. Sowas nervt mich ja wirklich tierisch. Müssen die wirklich überall dazwischenfunken? Gut, okay, im Thread steht ein funktionierender Workaround (der Player wird dann gefühlt mindestens doppelt so laut). Aber dass ich mir überhaupt erst über sowas Gedanken machen muss, ist doch mal wieder Rotze. Geh weg, EU. Ich bin schon groß und kann meine Lautstärke alleine einstellen.

(Nur, um es nochmal deutlich zu sagen: Nicht der Player ist schuld, sondern die EU.)

Der Player hat auf der Rückseite einen Clip (hence the name). Damit kann man ihn überall anstecken. Ich dachte erst, "ja, auch schön", aber das erweist sich als wirklich praktisch: Zusammen mit dem geringen Gewicht kann man den Player nämlich einfach überall hinclippen. Es baumelt nichts, fühlt sich nicht störend an und man muss nicht aufpassen, dass er irgendwo rausfällt.

Foto

Wenn man bei YouTube einfach mal nach "Sansa Clip+" sucht, findet man auch einige Video-Reviews.

Was er für "Komfortfunktionen" hat, kann ich noch nicht genau sagen. Bei Podcasts soll er sich zum Beispiel merken, wo man das letzte Mal aufgehört hat. Achja, ein UKW-Radio ist im Player drin. Die hatten wohl zu viel Platz im Gehäuse. Sogar ein Mikro ist da drin und man kann kleine Memos als WAVE aufzeichnen -- mache ich zwar nie, weil ich diesen seltsamen Effekt, dass man seine eigene Stimme nicht ausstehen kann, sehr deutlich verspüre, aber hey!

Ich möchte allerdings nicht unerwähnt lassen, dass der Player bei einigen wenigen Liedern (in Form von Ogg Vorbis) reproduzierbar abstürzt. Vielleicht wird das noch durch ein Firmwareupgrade behoben? Man kann dann jedenfalls nichts anderes mehr tun, als lange genug auf den Power-Button zu drücken, damit er rebootet. Naja. Ich hoffe, dass sich nicht herausstellt, dass das bei einem signifikanten Anteil der Lieder auftritt. Bisher ist es jedenfalls noch sehr selten (zwei Mal aufgetreten bei ca. 1530 Stücken).

Trotzdem. Bis auf die Sache mit dem Akku eine tolle Sache, dafür geht der Preis. Der Player ist definitiv gut für GNU/Linux geeignet und sollte auch unter *BSD anständig funktionieren (teste ich demnächst mit FreeBSD). Schön zu sehen, dass es noch einigermaßen benutzbare Geräte gibt, die ohne einen Haufen Software-Klimbim und Foo auskommen.

Übrigens: Linux steht sogar auf der Seite des Herstellers als mögliche Systemanforderung. Auch selten. :)

– Nachtrag: Auch unter FreeBSD 8.1 kein Problem. Ich hatte zwar auch nichts anderes erwartet, aber probieren kann man es ja trotzdem mal. ;)

ugen4.2: <SanDisk> at usbus4
umass0: <ms ifac 1 (SCSI::BULK_ONLY)> on usbus4
umass0:  SCSI over Bulk-Only; quirks = 0x0000
umass0:0:0:-1: Attached to scbus0
da0 at umass-sim0 bus 0 scbus0 target 0 lun 0
da0: <SanDisk Sansa Clip+ 8GB v01.> Removable Direct Access SCSI-0 device 
da0: 40.000MB/s transfers
da0: 7550MB (15462400 512 byte sectors: 255H 63S/T 962C)
(probe0:umass-sim0:0:0:1): TEST UNIT READY. CDB: 0 20 0 0 0 0 
(probe0:umass-sim0:0:0:1): CAM status: SCSI Status Error
(probe0:umass-sim0:0:0:1): SCSI status: Check Condition
(probe0:umass-sim0:0:0:1): SCSI sense: NOT READY asc:3a,0 (Medium not present)
da1 at umass-sim0 bus 0 scbus0 target 0 lun 1
da1: <SanDisk Sansa Clip+ 8GB v01.> Removable Direct Access SCSI-0 device 
da1: 40.000MB/s transfers
da1: Attempt to query device size failed: NOT READY, Medium not present

Mountbar ist dann /dev/da0:

$ mount -t msdosfs /dev/da0 /mnt

Längere Tests habe ich damit aber nicht gemacht.