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Opa erzählt vom Krieg

Beginnen wir mit einem Foto.

Sieht eigentlich aus wie ein schlechter Scherz eines Switch-Herstellers, oder? Ist in Wirklichkeit aber die Rückseite meines neuen Blu-ray-Players. Ich begreife erst so langsam, was ich da eigentlich sehe. Muss an der frühen Uhrzeit liegen, zu der der Postbote kam…

Mal ernsthaft.

Mein MPlayer am Rechner erzählt mir manchmal bei besonders hochauflösenden Videos, dass mein Computer zu langsam sei, diese gescheit wiederzugeben. Folglich frage ich mich, welch Höllenmaschine in dem kleinen Kästchen des Blu-ray-Players stecken muss, damit die da noch mit Java rumhampeln können. (Jaja, ich weiß, es ist ein veraltetes Vorurteil, Java sei langsam.)

Und dann dieses Bild beim Setup des Geräts.

Spätestens jetzt ist mir klar, dass ich alt werde. Ich muss etwas Fundamentales verpasst haben.

Nach dem ersten Sturm der Entrüstung muss ich eingestehen, dass es sich hierbei „nur“ um „BD-Live“ handelt: Man hat bei manchen Discs wohl Zugriff auf „Bonus-Content“, der aber nicht auf der eigentlichen Disc drauf ist, sondern nur über’s Internet erhältlich. Ist ja auch logisch, auf Blu-ray-Discs ist ja so wenig Platz.

Aber mal ehrlich: Wie groß ist da noch der Schritt zu einer tatsächlich notwendigen Internetverbindung für jedes Abspielen? Es dauert bestimmt nicht mehr lange (wenn es nicht sogar schon so ist und ich hab’s nur noch nicht mitgekriegt), bis ich mich erst irgendwo mit einem identitätsverifizierten Account einloggen muss, bevor ich ein bereits gekauftes Medium abspielen kann respektive darf. Wahrscheinlich dann nur drei Mal. Ich finde diesen Trend, gelinde gesagt, ungehörig.

Aber warum habe ich mir überhaupt einen Blu-ray-Player gekauft? Ich besitze keine einzige BD. Der Grund ist eigentlich ein ganz anderer: Mein vorheriger DVD-Player hat nur einen analogen Ausgang, aber mein Fernseher ist schon „modern“. Nein, nein, er hat schon noch eine SCART-Buchse, aber er ist der Meinung, dass er „intelligent“ sein müsse. Und „intelligente“ Geräte verhalten sich meistens hochgradig schwachsinnig.

Ein solcher „Intelligenzmechanismus“ meines Fernsehers ist, dass er es gerne erkennen möchte, wenn es auf einem analogen Eingang rauscht oder unerwartet übersteuert oder sonstwas. Dann möchte er so freundlich sein und mir auf diesem Eingang kein Bild anzeigen. Immerhin möchte er mir kein schlimmes Bild zu sehen geben. Zumindest ist das meine Theorie für folgendes Verhalten: Wenn eine beliebige DVD Bilder enthält, die ausschließlich aus beinahe gleichfarbigen, hellen Pixeln bestehen, dann schaltet mein Fernseher für einige Sekunden ab und sagt, er könne kein Videosignal empfangen. Ein alter Röhrenfernseher zeigt bei derselben DVD dieses Verhalten nicht (ich habe an einer passenden Stelle das DVD-Playback pausiert – mein Fernseher hat im Sekundentakt Aussetzer, der alte Fernseher zeigt’s problemlos an). Ich würde an dieser Stelle ja gerne Beispielvideos verlinken, verzichte aber darauf, weil zwangsläufig urheberrechtlich geschü… und so weiter.

Um es mal deutlicher zu sagen: Ein Kameraschwenk in einen blauen Himmel auf der DVD reicht, um diesen Bug zu triggern. Oder ein Blitz. Lustigerweise ist sowas selten genug, dass es Monate gedauert hat, bis ich endlich die Ursache finden konnte.

Ein Indiz dafür, dass mein obige Theorie stimmen könnte, ist: Der neue Player ist per HDMI angeschlossen und damit digital. Da gibt es kein Rauschen mehr, das man erkennen könnte. Siehe da, derselbe Fernseher zeigt dieselben DVDs nun problemlos an.

Und jetzt zu dem Teil, „Opa erzählt vom Krieg“: Früher™ waren die Geräte noch dumm. Und das war gut so. Ein Videokassettenrekorder hat das abgespielt, was drauf war. Ein Fernseher hat stupide das Signal angezeigt, das man ihm gegeben hat. Das war seine Aufgabe. Ein Fernseher ist nicht zum Browsen im Web da. Manchmal will ich dafür einen Computer an den großen Fernseher anschließen, ja, aber es ist einfach Unsinn, dass der Fernseher das selber können soll. Brauche ich dann auch NoScript auf dem Fernseher? Früher™ waren die Geräte keine kleinen Computer mit Java drauf. Am Ende meckert der neue Player noch alle drei Wochen, weil er ein Firmwareupgrade haben will, oder was? Früher™ gab es viel weniger dieser „intelligenten“ Automatismen, die ständig in die Hose gehen.

Technik ist toll, ich habe da sehr viel Spaß dran. Aber ich will wieder dumme Geräte haben. Geräte, die nicht ständig meinen, dass sie alles besser wüssten. Geräte, die keine Ahnung haben, dass es sowas wie das Internet gibt. Und ich werde auch einen Teufel tun und den neuen Player jemals ans Internet anschließen. Oder zumindest Geräte, die einen Knopf haben, durch dessen Betätigung man irgendwo an einer Shell landet – auf den Dingern läuft ja heute ein normales Betriebssystem wie Linux oder NetBSD und die meisten Configs liegen am Ende dann doch in Textdateien rum, also wieso bitte darf ich da nicht ran? Krethi und Plethi müssen das ja nicht verstehen und ich auch nicht auf Anhieb. Aber immerhin habe ich dann die theoretische Möglichkeit, es nach drei Wochen Fummelei verstanden zu haben und lästige Fehler beheben zu können. Es schadet doch nicht, diese Möglichkeit zu haben. Es muss doch nicht jedes Gerät und jede Software erraten wollen, was ich von ihr möchte. Ja, dann wird die Bedienung eben manchmal „umständlich“ und ist nicht mehr „intuitiv“, aber dafür kann ich mich auch präzise ausdrücken und dem Ding genau sagen, was ich möchte.

An dieser Stelle ein Bild eines klapprigen Mannes, der wütend mit dem Stock winkt. Aber die sind ja auch alle urheberre… und so weiter.

Donnerwetter!