blog · git · desktop · images · contact & privacy · gopher


OpenBSD auf meinem Pentium 133 aktualisiert

2020-06-21

Das ist der einzige alte Rechner, den ich noch aufgehoben habe. Der ist von ungefähr 1995, weiß ich nicht mehr genau. Trotz seines Alters ist er relativ leistungsstark:

Gemessen an heutigen Maschinen ist das natürlich langsam, aber der viele RAM und die NIC heißen, dass man erstaunlich viel damit noch machen kann. Eine Festplatte mit 8 GB ist auch mehr, als man so denken mag. Die Kiste ist eine „Generation“ später als DOS (man denke hier an 8 bis 25 MHz, vielleicht 70 MB Festplatte, 4 MB RAM, sowas), kam damals mit Windows 95 und war super schnell. Das war der erste Rechner, auf dem ich ein Video abspielen und nebenher noch etwas anderes machen konnte.

Vor einigen Jahren habe ich da OpenBSD 5.7 drauf installiert. Zeit, das mal zu aktualisieren.

Eigentlich dachte ich, dass dieser Blogpost sehr lang wird und furchtbar viele dreckige Details enthält. Es gibt da nämlich ein paar Hürden:

Wie zum Kuckuck kann ich das Teil also upgraden?

Was ich lustigerweise noch hatte, waren ein paar alte 3.5"-Disketten. Und zu meiner Überraschung gibt es für OpenBSD 6.7 ein Floppy-Image. Hab’ ich auf eine der Floppys kopiert, gebootet und … es lief. Hat die Netzwerkkarte erkannt, eine IP via DHCP angefragt und dann hat der Installer ein brandneues OpenBSD über HTTP installieren können.

Mein lieber Scholli.

Das holt einen wirklich mal auf den Boden der Tatsachen zurück. Die haben da auf einer Floppy mit 1.44 MB einen laufenden Kernel, genug Treiber für meine Hardware, ein funktionierendes Userland mitsamt DHCP-Client und einen Installer. Im Jahre 2020, wo ein einfaches „Hallo Welt“ in Golang schon über 2 MB auf der Platte benötigt, haut einen das wirklich um. Selbst, wenn man das mit anderen Betriebssystemen aus den 1990ern vergleicht, kommt mir das beeindruckend vor, denn IBM PC-DOS kam auf was, 5 Disketten? Ohne irgendeine Form von Netzwerk und mit quasi keinen Treibern? Aber zugegeben, das ist schon so lange her, dass ich nicht mehr wirklich weiß, wie sich ein nacktes PC-DOS anfühlte und wieviele Features das hatte, also kann der Schein auch trügen.

Weil’s also so quasi gar nichts Technisches zu verbloggen gab, sind hier ein paar Fotos vom Installationsprozess. Auf einem der letzten schreibe ich diesen Blogpost in X11. Und das allerletzte? Das ist katriawm, bevelbar und (unsichtbar aber laufend) nhkd. Whoa.

Nach den Fotos noch ein paar kurze Konfigurationsnotizen.

Fotos

IMG0491 IMG0493 IMG0499 IMG0500 IMG0509 IMG0512 IMG0515 IMG0525 IMG0526 IMG0527 IMG0530 IMG0531 IMG0532

Ja, das ist ein GNU Gnu. Deal with it.

Konfigurationsnotizen

OpenBSD erzeugt heute einen randomisierten Kernel bei jedem Boot. Auf der alten Kiste dauert das tatsächlich eine ganze Stunde. Ich habe also KARL und das Library-Relinking in /etc/rc auskommentiert. Das sollte man gleich nach Beendigung des Installers mit ed(1) machen: Der Installer bietet an, in eine Shell zu gehen, und da ist dann noch das Dateisystem, in das man eben installiert hat, gemountet.

Das System hat weder USB noch PS/2. Ich kann nur eine serielle Maus anschließen. Die wird nicht automatisch erkannt, also muss ich eine /etc/X11/xorg.conf anlegen:

Section "ServerFlags"
    Option "AutoAddDevices" "False"
    Option "AllowEmptyInput" "False"
EndSection

Section "InputDevice"
    Identifier  "Mouse0"
    Driver      "mouse"
    Option      "Protocol" "Microsoft"
    Option      "Device" "/dev/tty00"
    Option      "ZAxisMapping" "4 5 6 7"
EndSection

Section "InputDevice"
    Identifier  "Keyboard0"
    Driver      "kbd"
    Option      "XkbLayout" "de"
EndSection

wsmoused würde auch gehen (darf aber nicht laufen, während X läuft), bräuchte diese Flags:

-p /dev/cua00 -t microsoft

Comments?