
28.04.2011, 12:20:48
Schon eine ganze Weile denke ich über den Kauf eines Netbooks nach. Im
Bezug auf Mobilität hat sowas im Vergleich zu einem „richtigen“ Notebook
die drei simplen Vorteile: Kleiner, leichter, stromsparender. Und
verglichen mit einem Smartphone ist so ein Netbook trotzdem noch ein
„richtiger“ Rechner.
Netbooks gibt es nun wie Sand am Meer, aber was sehen meine müden Augen in den Läden stehen? Reihenweise Netbooks – mit Schminkspiegel. Ich habe einmal den Fehler gemacht, sowas zu kaufen. Das reicht. Hersteller, merket auf, das mit den spiegelnden Displays ist Schmarrn! Insbesondere, wenn es ein mobiles Gerät ist, ich damit also durchaus auch mal in … hellen … Räumen sitze. Sicher, wenn man sich Mühe gibt, dann geht’s schon irgendwie. Aber so ein Spiegel bietet mir noch nicht einmal irgendeinen Vorteil, der mich motivieren würde, die Nachteile in Kauf zu nehmen. Es ist ausschließlich lästig.
Zusätzlich wird die Auswahl dadurch eingeschränkt, dass ich gerne nur
Treiber verwenden will, die in Linux schon enthalten sind. Erstens sind
das (bis auf so manchen Microcode) freie Treiber, zweitens ist es eben
die stressärmste Methode. Allem voran sind WLAN-Interfaces da immernoch
ein kritischer Punkt, obwohl mit jeder neuen Kernel-Version viele neue
Treiber hinzukommen. Da sind die Hardware-Entwickler wohl einfach
schneller als die Treiber-Schreiber.
Nach längerer Sucherei im Netz ist es ein Samsung NP-NC10 Plus JP04 geworden. Also ein neueres NC10, nicht das von 2008.
Die wichtigsten Daten:
Also ganz schnucklig und keine Kiste mit Mörderleistung, was ich ohnehin nicht brauche. 258€ waren’s, find’ ich ja auch nett.
Natürlich kommt so ein Gerät mit vorinstalliertem Windows. Diesmal ein Windows 7 Starter in 32 Bit. Zu mehr als einem kurzen Test der Hardware, ob auch alles Grundlegende funktioniert, ist das aber nicht zu gebrauchen. Es war schnarchlahm und – selbstverständlich – mit „sinnvoller“ Software zugekleistert. Spielt aber auch keine Rolle mehr.
Einen Stick mit Arch 64 befüllt und los geht’s. Da im aktuellen
Arch-Image noch Linux 2.6.33 läuft, funktioniert während der
Installation kein WLAN. Die Kabel-NIC tut aber problemlos. Ferner mag
cfdisk nicht so recht mit der mitgelieferten Partitionstabelle
umgehen, was aber auch nur dann unter Umständen ein Problem darstellt,
falls man Windows behalten möchte.
Möchte ich nicht. Mit dd aufgeräumt und gut ist.
Rest der Installation ist Standard. Keine besonderen Vorkommnisse. Hinterher meine Home-Partition von der Platte des Laptops rüberkopiert und Pakete installiert.
Mit dem momentan aktuellen Linux 2.6.38.4 läuft WLAN dann auch. In
dmesg weist er allerdings darauf hin, dass der Treiber noch aus
Staging stammt und die Qualität daher „unknown“ sei. Ferner läuft bis
auf folgende „Quirks“ alles ohne weitere Eingriffe:
setpci einstellen. Bei mir musste es
allerdings 00:02.0 sein.
Dieses kleine Skript
tut’s dann.synclient -m 100
ausmessen. Ich brauchte 770 als rechte Kante, dann konnte ich
scrollen. „SHMConfig“ kann dann wieder abgeschaltet werden.Der Rest läuft. Ausprobiert wurde neben grundlegender Funktionalität unter anderem jenes, in Klammern eventuelle Kernelmodule oder Treiber:
lspci -nn:
00:00.0 Host bridge [0600]: Intel Corporation N10 Family DMI Bridge [8086:a010]
00:02.0 VGA compatible controller [0300]: Intel Corporation N10 Family Integrated Graphics Controller [8086:a011]
00:02.1 Display controller [0380]: Intel Corporation N10 Family Integrated Graphics Controller [8086:a012]
00:1b.0 Audio device [0403]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family High Definition Audio Controller [8086:27d8] (rev 02)
00:1c.0 PCI bridge [0604]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family PCI Express Port 1 [8086:27d0] (rev 02)
00:1c.1 PCI bridge [0604]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family PCI Express Port 2 [8086:27d2] (rev 02)
00:1c.2 PCI bridge [0604]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family PCI Express Port 3 [8086:27d4] (rev 02)
00:1c.3 PCI bridge [0604]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family PCI Express Port 4 [8086:27d6] (rev 02)
00:1d.0 USB Controller [0c03]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family USB UHCI Controller #1 [8086:27c8] (rev 02)
00:1d.1 USB Controller [0c03]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family USB UHCI Controller #2 [8086:27c9] (rev 02)
00:1d.2 USB Controller [0c03]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family USB UHCI Controller #3 [8086:27ca] (rev 02)
00:1d.3 USB Controller [0c03]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family USB UHCI Controller #4 [8086:27cb] (rev 02)
00:1d.7 USB Controller [0c03]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family USB2 EHCI Controller [8086:27cc] (rev 02)
00:1e.0 PCI bridge [0604]: Intel Corporation 82801 Mobile PCI Bridge [8086:2448] (rev e2)
00:1f.0 ISA bridge [0601]: Intel Corporation NM10 Family LPC Controller [8086:27bc] (rev 02)
00:1f.2 SATA controller [0106]: Intel Corporation N10/ICH7 Family SATA AHCI Controller [8086:27c1] (rev 02)
00:1f.3 SMBus [0c05]: Intel Corporation N10/ICH 7 Family SMBus Controller [8086:27da] (rev 02)
05:00.0 Network controller [0280]: Broadcom Corporation BCM4313 802.11b/g/n Wireless LAN Controller [14e4:4727] (rev 01)
09:00.0 Ethernet controller [0200]: Marvell Technology Group Ltd. 88E8040 PCI-E Fast Ethernet Controller [11ab:4354]
lsusb:
Bus 001 Device 001: ID 1d6b:0002 Linux Foundation 2.0 root hub
Bus 001 Device 003: ID 0ac8:c33f Z-Star Microelectronics Corp. Webcam
Bus 002 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub
Bus 003 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub
Bus 004 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub
Bus 005 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub
Bus 003 Device 002: ID 0a5c:219c Broadcom Corp.
/proc/cpuinfo (erste Hälfte, ist ohnehin nur HT):
processor : 0
vendor_id : GenuineIntel
cpu family : 6
model : 28
model name : Intel(R) Atom(TM) CPU N455 @ 1.66GHz
stepping : 10
cpu MHz : 1000.000
cache size : 512 KB
physical id : 0
siblings : 2
core id : 0
cpu cores : 1
apicid : 0
initial apicid : 0
fpu : yes
fpu_exception : yes
cpuid level : 10
wp : yes
flags : fpu vme de pse tsc msr pae mce cx8 apic sep mtrr pge
mca cmov pat clflush dts acpi mmx fxsr sse sse2 ss ht tm pbe syscall
nx lm constant_tsc arch_perfmon pebs bts rep_good nopl aperfmperf
pni dtes64 monitor ds_cpl est tm2 ssse3 cx16 xtpr pdcm movbe lahf_lm
dts
bogomips : 3326.47
clflush size : 64
cache_alignment : 64
address sizes : 32 bits physical, 48 bits virtual
power management:
Mehr fällt mir im Moment nicht ein, bei Bedarf einfach fragen.

WLAN war ein Glücksspiel. Ich las im Wiki zwar, dass es funktionieren soll, aber auf welche Version des Geräts sich das bezog, war nicht so ganz klar. Mit dem brcm80211 aus dem Standard-Kernel geht es im Moment aber problemlos und ich hoffe, dass das auch so bleibt.
Der Energieverbrauch liegt im Idle bei 5 Watt; wenn man etwas tut und die Platte bewegt, dann geht’s auch mal auf 10 Watt rauf. Die Hochrechnung wirft also irgendwas zwischen 5 und 9.5 Stunden an Laufzeit raus. Ich habe da aber noch nichts unternommen, um das irgendwie zu beeinflussen. Lediglich den CPU-Gorvenor „ondemand“ habe ich aktiv.
Im BIOS lässt sich „genug“ einstellen, zumindest ist es keines dieser seltsam kastrierten Dinger, die einem gar keine Optionen mehr bieten. Ich hätte mir vielleicht noch eine Möglichkeit gewünscht, um Bluetooth abzuschalten.
Schnuckelig! Das Gerät ist leicht und leise, wirkt ordentlich
verarbeitet. Das matte Display ist großartig. Auch in hellen Räumen und
mit großem Fenster im Rücken kann man anständig erkennen, was angezeigt
wird. Außerdem ist das Display wirklich sehr hell – weiß nur nicht, wie
ich das auf Fotos vermitteln könnte. Ich habe den Eindruck, dass es mit
der setpci-Methode heller ist, als es anfangs unter Windows 7 Starter
war, aber der Eindruck kann täuschen. In normalen, nicht abgedunkelten
Räumen reicht mir jedenfalls ein Wert um die 0x20. Bei 0xFF muss man die
Augen schon fast zusammenkneifen.
Ein paar Kritikpunkte habe ich aber trotzdem.
Das Tastaturlayout ist gefährlich nahe am Epic Fail. Man betrachte jenes Bild:
Eine sehr große linke Shift-Taste, aber dann haben sie die Pipe-Taste nach rechts verschoben. Bitte, das ist absolut unnötig und ergibt keinen Sinn. Die linke Shift-Taste ist auch auf deutschen Standard-Tastaturen klein und wurde nur hier künstlich vergrößert. Die Pipe hätte auch locker links hingepasst. Mit derart verdrehtem Layout muss ich mich nun ständig umgewöhnen oder mir noch etwas Cleveres einfallen lassen.
Auf der anderen Seite ist die Tastatur zum Glück so groß, dass man fast normal darauf schreiben kann. Ich kenne da andere Netbooks, bei denen man sich wirklich anstrengen muss, um überhaupt etwas zu treffen.
Der Einschalt-„Knopf“ vorne ist seltsam:
Erstens frage ich mich, wieso das ein Schiebeschalter sein muss. Hätte es nicht auch ein Knopf getan? Zweitens ist das Ding nicht besonders schlau positioniert. Es löst zwar nur ein ACPI-Event aus, aber je nach Konfiguration trotzdem ärgerlich, wenn man da mal ungewollt drankäme.
Das Touchpad hat unten keine zwei Tasten, sondern eine große Tastwippe;
das heißt, direkt in der Mitte kann man nicht drücken. Um damit einen
Middle-Click zu machen simulieren, muss man ganz außen
drücken. Sprich, man benötigt zwei Finger.
Die Wärmeverteilung ist – mit der Hand „gemessen“ – ungefähr so:
Das heißt, der Akku bekommt kaum Wärme ab, was seiner Lebensdauer zuträglich sein dürfte. Bei meinem Laptop ist das ganz anders, da wird der Akku spürbar warm.
Bis jetzt bin ich trotz den Kritikpunkten ziemlich zufrieden. Die
nächste Zeit wird sicher noch weitere Stärken und Schwächen aufdecken.
Erst einmal bin ich froh, dass WLAN gut zu funktionieren scheint. Am
meisten ärgert mich die Sache mit der Pipe-Taste und am tollsten finde
ich das Display.
Ein wahrer Traum, wenn ich das mit
dem Spiegel meines Laptops vergleiche. Und dass ich keine externen
Treiber brauche, ist auch super.
Als Window Manager habe ich im Moment noch Awesome laufen. Meine übliche Arbeitsweise lässt sich damit aber nur mit einer sehr kleinen Schrift realisieren.
Auf dem Screenshot wirkt das an einem normalen Bildschirm größer als es tatsächlich ist, denn so ein Netbook hat eine höhere Pixeldichte. Eigentlich ist mir das zu klein. Für den Moment probiere ich es daher mal mit einer größeren Schrift und einem „Cascade“-Layout als „Hauptlayout“, das ich vorhin zusammengezimmert habe. Ob das optimal ist, weiß ich noch nicht, aber es fühlt sich ganz gut an. Vielleicht probiere ich auch noch einmal i3 intensiver aus, mal sehen.
Die HDD wird demnächst vermutlich durch eine geeignete SSD ersetzt. 250 GB brauche ich sowieso nicht. Aber erst einmal gehe ich ein bisschen mit x86_64 spielen … nachdem ich ein paar offene Sync-Fragen geklärt habe.
#1 von: Yanneck
12.07.2011, 11:43:57